
Zecken fallen nicht von Bäumen und auch Zeckenbisse sind ein Mythos. Denn Zecken stechen ihre Opfer – und können dabei gefährliche Krankheiten übertragen. Erfahren Sie hier, welche spannenden Gerüchte und interessanten Fakten es über die Blutsauger gibt, wie Sie sich schützen und ob eine Zeckenimpfung sinnvoll ist.

Der Experte zum Thema
Dr. Maik Irmisch
Facharzt für Innere Medizin
ServiceCenter AOK-Clarimedis
Selten entdeckt man sie auf den ersten Blick. Die Zecke, auch Holzbock genannt, ist je nach Entwicklungsstadium winzig klein bis erbsengroß. Die Larven sind kleiner als ein Millimeter, die Nymphen (Zwischenstadium zwischen Larve und ausgewachsener Zecke) werden etwa ein bis zwei Millimeter groß.
Es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass Zecken auf Bäumen sitzen. Tatsächlich leben sie hauptsächlich im Gras, Gebüsch und Unterholz. Wenn sie zustechen, können Zecken zahlreiche Krankheiten übertragen – auch für Menschen gefährliche Erkrankungen wie Borreliose oder Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), gegen die eine Zeckenimpfung durchaus sinnvoll sein kann.
Ein gemäßigt kalter Winter kann den Zecken nichts anhaben. Ein Beispiel: Im Gefrierfach bei minus acht Grad lebt die Hälfte der Zecken nach 24 Stunden noch. Erst Temperaturen unter minus 20 Grad Celsius töten sie zuverlässig – genauso ein Waschgang über 60 Grad.
Ab etwa sieben Grad werden Zecken bereits aktiv und warten im Gebüsch auf ein geeignetes Lebewesen, das sie stechen können.
Hat eine Zecke zugestochen, bleibt sie bis zu neun Tage an ihrem Wirt hängen – und kann so über lange Strecken transportiert werden, bis sie sich schließlich fallen lässt. Das kann, je nachdem ob sie zum Beispiel auf einem Vogel oder einem Hund sitzt, in einem Garten, in einem Park oder in einer städtischen Grünanlage passieren. Dort wartet sie dann auf ihr nächstes Opfer.
Schutz vor Zecken
Am besten schützen Sie sich vor Zecken mit festen Schuhen und langen Hosen. Wenn einen aber doch eine Zecke erwischt, heißt es: rasch entfernen!
Wenn Sie keiner Zecke begegnen möchten, sollten Sie Unterholz, Sträucher und hohe Gräser meiden. Sie können sich aber auch durch einfache Maßnahmen vor den Blutsaugern schützen:
- Tragen Sie geschlossene Kleidung. Lange Hosen, Oberteile mit langen Ärmeln, feste Schuhe und über die Hose gezogene Strümpfe machen es den Zecken schwer, an Ihre Haut zu gelangen. Das Insektenschutzmittel mit dem Wirkstoff Permethrin als Imprägnierung auf die Kleidung aufgetragen ist eine besonders wirksame Abwehr gegen die Angriffe von Zecken und auch Mücken.
- Tragen Sie helle Kleidung. So können Sie Zecken besser entdecken.
- Verwenden Sie ein Insekten-, Milben-, bzw. Zeckenschutzmittel auf der Haut. Diese Produkte wehren Zecken für mehrere Stunden ab.
- Geben Sie Kindern eine Kopfbedeckung. Aufgrund ihrer Körpergröße sind kleine Kinder besonders häufig im Kopfbereich von Zecken betroffen.
Außerdem wichtig: Suchen Sie Ihren Körper nach dem Aufenthalt im Freien sorgfältig ab – insbesondere die Kniekehlen, den Leistenbereich, den Bauchnabel und unter den Armen. Bei Kindern sollten Sie auch den Haaransatz, Hals und Ohren kontrollieren.

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Borreliose und FSME – Zecken übertragen Krankheiten
Ein Zeckenstich ist unangenehm und kann im schlimmsten Fall sogar ernsthafte Erkrankungen wie Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) mit sich bringen.
In der Tierwelt gelten viele Zeckenarten als bedeutende Überträger von Krankheiten. Und auch für Menschen kann ein Zeckenstich unangenehme Folgen haben. Einige Exemplare tragen beispielsweise Viren der Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME, andere Bakterienerreger der Borreliose in sich. Ehrlichiose, Rickettsiosen, Q-Fieber und Tularämie sind weitere Krankheiten, die durch Zecken übertragen werden.
Borreliose
Ansteckung
Borreliose-Erreger gibt es überall in Deutschland. Durchschnittlich ist aber nur jede dritte bis zehnte Zecke damit infiziert. Und nicht bei jedem Stich wird das Borreliose-Bakterium weitergegeben. Die Übertagungsrate nach dem Stich einer infizierten Zecke liegt bei etwa 5 %.
Symptome
Die Borreliose erkennen Sie meist durch Blickdiagnose an einer sogenannten Wanderröte, die zwischen drei Tagen und vier Wochen nach dem Zeckenstich von der Einstichstelle ausgeht. Der Name „Wanderröte“ ist jedoch irreführend, denn die Röte wandert nicht, sondern vergrößert sich kreisförmig. Das Besondere: Die Wanderröte ist meist scharf abgegrenzt und in der Mitte aufgehellt.
In seltenen Fällen werden Zeckenstiche nicht bemerkt. Im weiteren Verlauf einer Borreliose kann es dann – abhängig vom Stadium der Infektion – zu verschiedenen Symptomen kommen:
Im Stadium 1 sind die Symptome neben der sehr typischen „Wanderröte“ ab dem dritten Tag vergleichbar mit einem grippalen Infekt. Im 2. Stadium kann es dann zu Nervenstörungen, z.B. Lähmungen des Gesichtsnervs oder Entzündungen der Nervenwurzeln am Rückenmark, kommen mit in die Beine ausstrahlenden Rückenschmerzen. Gefürchtet sind auch Herzentzündungen mit Herzrhythmusstörungen und Gelenkentzündungen mit Ergussbildungen. Fast immer ist nur ein Gelenk (oder wenige große Gelenke) betroffen. Klassisch ist der Befall eines Kniegelenkes, das diagnostisch punktiert werden könnte. Im 3. und letzten Stadium kann es dann zu einer Pergamenthaut, Polyneuropathie (Erkrankungen der Nerven und Leitungsbahnen außerhalb von Gehirn und Rückenmark) und weiteren Gelenkentzündungen kommen.
Behandlung
Die Behandlung der Borreliose erfolgt mit Antibiotika über einen Zeitraum von 14 bis 28 Tagen. Antikörper, also die Reaktion des Körpers auf die Infektion, können vier Wochen nach dem Zeckenstich relativ sicher im Blut nachgewiesen werden. Ohne Behandlung verschwindet die Rötung der Haut zwar wieder, aber nach einigen Wochen oder Monaten können die oben genannten Spätsymptome auftreten. Sobald die Bakterien mit der Antibiose bekämpft wurden, kommt es nicht mehr zu den weiteren Stadien.
Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)
Ansteckung
Bei der Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME, handelt es sich um eine Viruserkrankung, die zu grippeähnlichen Symptomen führen und bei einigen Patienten eine Entzündung von Gehirn und Hirnhäuten hervorrufen kann. Mit FSME infizierte Zecken leben hauptsächlich in südlichen und südöstlichen Regionen Deutschlands. Zu den Risikogebieten zählen Baden-Württemberg, Bayern, das südliche Thüringen und Teile von Hessen, Sachsen und Brandenburg.
Auf der Seite des Robert Koch-Instituts gibt es eine Karte der betroffenen Landkreise in Deutschland. Hier finden Sie außerdem eine Europa-Karte und eine Karte über die weltweite Verbreitung von FSME.
Im Gegensatz zur Borreliose kann gegen die FSME geimpft werden. Wer also in diese Gegenden reist oder dort lebt, sollte (vorher) einen Arzt aufsuchen.
Symptome
Doch nicht jeder, der durch einen Zeckenstich mit FSME angesteckt wurde, muss zwangsläufig daran erkranken. Nur 10 bis dreißig Prozent der Personen zeigen Symptome. Sie ähneln denen einer Grippe: leichtes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Nach einer kurzen Zeit ohne Beschwerden kommt es bei ein bis drei Prozent aller Infizierten zu einem zweiten Fieberschub, der sich dann zu einer Hirnhautentzündung entwickeln kann. Nur in sehr seltenen Fällen – in Deutschland pro Jahr bei ein bis zwei Personen – verläuft die Krankheit sogar tödlich.
Behandlung
Es gibt keine spezifische Therapie, die das FSME-Virus im Körper bekämpft. Die Behandlung beschränkt sich darauf, Symptome zu lindern und Langzeitschäden zu verhindern. Deshalb ist eine Vorab-Impfung gegen FSME bei Reisen in die betroffenen Gebiete oder bei Ansässigen der Gebiete empfehlenswert.
Zecken entfernen

Je eher Sie die Zecke aus der Haut ziehen, desto geringer ist das Risiko einer Infektion. So sollten Sie vorgehen.
Eine Zecke lässt sich zum Beispiel mit einer so genannten Zeckenzange oder Zeckenkarte entfernen. Schieben Sie die Karte so weit auf der Haut entlang, bis die Zecke im Schlitz steckt. Heben Sie die Karte jetzt an, dann ist der Parasit auch schon entfernt.
Entfernen Sie die Zecke unbedingt, sobald Sie sie entdeckt haben – falls sie kein geeignetes Werkzeug haben, zur Not mit der Hand. Schnelles Handeln ist wichtig, denn das Infektionsrisiko für FSME und eine Borreliose steigt mit der Saugdauer: Die FSME-Viren werden nach dem Stich über den Zeckenspeichel sofort übertragen, die Borreliose-Bakterien aus dem Darm der Zecke nach zehn bis 20 Sunden. Sobald Sie die Zecke entfernt haben, sollten Sie die Stelle mit einem Hautdesinfektionsmittel betupfen und die nächsten vier bis sechs Wochen beobachten.
Wichtig: Quetschen Sie die Zecke nicht oder ersticken sie mit Öl, Klebstoff, Wachs, Nagellack oder Creme. Dadurch gerät sie in Panik und erbricht die aus ihrem Darm hochgewürgten Bakterien in die Wunde. Übrigens übertragen auch die Larven und Nymphen der Zecke Viren und Bakterien.
Bleiben der Kopf und/oder das Beißwerkzeug der Zecke unter der Haut stecken, ist das in den meisten Fällen unbedenklich. Der menschliche Organismus kann Fremdkörper selbst abstoßen. Dennoch sollten Sie die betroffene Stelle zum Schutz vor Infektionen sofort desinfizieren und sicherheitshalber zeitnah einen Arzt aufsuchen, damit dieser die Überreste entfernen kann.
Das Nationale Referenzzentrum für Borrelien berät Betroffene und Bürger zur Diagnose und Therapie einer Borreliose.
Letzte Änderung: 25.03.2025
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