Etwa drei bis vier Millionen meist junge Menschen betreiben in Deutschland aktiv E-Sport und nehmen an Wettkämpfen teil. Vor allem Eltern stellen sich dabei häufig die Frage: Wieso soll das Sport sein – und wo ist der Unterschied zum Zocken? Und kann E-Sport auch positive gesundheitliche Aspekte haben? Wir nehmen den E-Sport unter die Lupe.
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Deutsche Sporthochschule Köln
E-Sport steht für „elektronischer Sport“ und bezeichnet Wettkämpfe, die am Computer oder an der Konsole ausgetragen werden. Insgesamt gibt es in Deutschland etwa drei bis vier Millionen aktive E-Sportler, etwa ein Prozent von ihnen kann von den Preisgeldern leben. Chuck Tholl ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Bewegungstherapie und bewegungsorientierte Prävention und Rehabilitation der Deutschen Sporthochschule Köln. Ihm zufolge sind in Deutschland Fußball-Simulationen wie „FIFA“ sowie Counterstrike, Fortnite oder League of Legends besonders beliebt.
Ein häufiges Vorurteil: E-Sport sei gar kein richtiger Sport. „Je nachdem, wie man Sport definiert, ist E-Sport durchaus eine Sportart“, sagt Chuck Tholl. „Die körperliche und mentale Belastung ist auf jeden Fall gegeben, es gibt eine Kontinuität der Bewegung und eine Wettkampfsituation. Das ist beispielsweise dem Prinzip des Sportschießens gar nicht unähnlich.“
Offiziell vom Deutschen Olympischen Sportbund anerkannt ist E-Sport allerdings nicht. „Da sind andere Länder wie etwa Frankreich, die USA, China oder Südkorea schon weiter“, so Tholl.
Deutsche Vereine sind im eSport Bund Deutschland (ESBD) organisiert. Viele Fußballvereine wie beispielsweise Borussia Mönchengladbach, Schalke 04 oder RB Leipzig haben eigene E-Sport-Abteilungen und tragen eine virtuelle Bundesliga aus. Auch im Breitensport gibt es Vereine, deren Teams gemeinsam trainieren und an E-Sport-Wettkämpfen teilnehmen.
Die Eintrittsbarriere in den E-Sport ist Tholl zufolge sehr gering. „Es genügt ein PC und ein Internet-Zugang, man muss sich nicht zwingend in einem Verein anmelden und kann im Prinzip jederzeit trainieren.“ Zudem können auch Spieler mit körperlichen Behinderungen im E-Sport erfolgreich sein.
Gefördert werden Tholl zufolge auch die Konzentration und das Durchhaltevermögen. „Gerade am Anfang verliert man beim E-Sport ziemlich oft. Mit diesen Niederlagen muss man umzugehen lernen.“
Nach Ansicht des Experten wird beim E-Sport der Aspekt des sozialen Miteinanders oft verkannt. „Auch im E-Sport können durchaus Freundschaften entstehen. Das geht auch ganz leicht über Ländergrenzen hinweg. Es ist gar nicht schwer, zum Beispiel mit anderen jungen Menschen aus den USA oder Asien in Kontakt zu kommen.“
Wenn der Ausgleich fehlt, können beim E-Sport gesundheitliche Probleme auftreten. Dazu zählen vor allem:
Was Rücken- und Gelenkschädigungen angeht, ist die Ergonomie des „Trainingsplatzes“ entscheidend. Darauf sollten E-Sportler achten:
Es gibt spezielle Gaming-Sessel, die den Körper extrem stützen. „Durch diese starke Stütze wird die Muskulatur entlastet und muss fast nicht mehr selbst arbeiten. Das kann langfristig zu einer Verkümmerung der Haltemuskulatur und Beschwerden führen.“ Für den Alltag empfiehlt Tholl solche Stühle deshalb nicht. Gaming-Sessel könnten aber bei Wettbewerben sinnvoll sein.
Immer On?
Onlinesucht an Schulen vorbeugen.
„Jeder Sportler weiß: Man wird nicht besser, wenn man den ganzen Tag nonstop trainiert“, so Tholl. Das gilt für Leichtathleten und Fußballer ebenso wie für E-Sportler. Bei Jugendlichen sollte die tägliche Bildschirmzeit inklusive Handy und Fernsehen drei bis vier Stunden möglichst nicht überschreiten.
Aus gesundheitlichen Aspekten ist ein sinnvoll ausgearbeiteter Trainingsplan mit ausreichend Pausen zur Regeneration wichtig. Tholl empfiehlt, spätestens nach zwei Stunden Training eine Pause einzulegen und sich dann auch zu bewegen: Kreisel- und Dehnübungen für alle beanspruchten Gelenke, leichtes Kraft- oder Ausdauertraining, aber auch Entspannungsübungen wie Yoga. Zur Entlastung der Augen sollten Gamer regelmäßig von ihrem Bildschirm aufschauen und in die Ferne sehen.
Insbesondere Eltern von E-Sportlern machen sich häufig Sorgen, dass ihre Kinder in eine Parallelwelt abdriften und psychische Schäden davontragen könnten. „Realitätsflucht gelingt Kindern und Jugendlichen aber auch mit Büchern, und das wird sozial sehr anerkannt“, so Tholl.
„Aufpassen muss man, wenn andere soziale Strukturen, zum Beispiel die Freunde, die Schule oder die Ausbildung, vernachlässigt werden. Oder wenn sich der Spieler über den E-Sport die Bestätigung holt, die er im Alltag nicht bekommt“, sagt Tholl. Auch wenn das Spielen zu körperlicher Vernachlässigung führt oder gebraucht wird, um einer negativen Stimmungslage zu entfliehen, sollten Eltern aufmerksam werden.
Außerdem kann der Leistungsdruck im E-Sport sehr hoch sein. Eltern sollten mit ihren Kindern darüber sprechen und für ausreichend Ausgleich sorgen. Entspannungstechniken helfen, besser mit Stress und psychischen Belastungen umzugehen. Spielt Ihr Kind in einem Verein, fragen Sie nach, ob es dort passende Angebote zur Unterstützung gibt.
Das Klischee vom E-Sportler, in dessen Zockerhöhle sich leere Pizzakartons und Coladosen stapeln, stimmt Tholl zufolge nicht. E-Sportler, die erfolgreich sein wollen, müssen wie alle anderen Sportler auch auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung achten.
„Auch wenn viele Hersteller von Energy Drinks oder Energieriegeln in der Szene aggressiv Werbung machen – besondere Nahrungsergänzungsmittel benötigen Gamer nicht. Vielmehr enthalten diese so viele unerwünschte Zusatzstoffe, dass man besser die Finger davon lässt.“ Der Experte rät: „Für den Energieschub zwischendurch reicht Kaffee oder schwarzer Tee. Noch besser sind kleine Bewegungspausen, um den Kreislauf und damit die Konzentration anzukurbeln.“
Das richtige Gaming Setup spielt eine wichtige Rolle für die Performance und die Gesundheit. Content Creator Yaya Blank und Yannick Reiners von Borussia E-Sports zeigen, wie das perfekte Gaming Setup aussieht.
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Beim Gaming sind die Spieler hochkonzentriert und oft angespannt. Wer eine Chance auf den Sieg haben will, muss aber einen klaren Kopf haben und zwischendurch entspannen. Eine effektive Methode um stressresistenter zu werden, ist die Progressive Muskelentspannung, kurz PME. Content Creator Yaya testet das Entspannungsverfahren aus.
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Wer viel zockt, sollte sich unbedingt zwischendurch bewegen. Das tut nicht nur dem Körper gut, sondern steigert auch die Konzentration. Chuck Tholl von der Deutschen Sporthochschule in Köln und Content Creator Yaya haben ein 10-minütiges Workout zusammengestellt. Einfach online mitmachen!
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Letzte Änderung: 17.03.2021
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