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Heuschnupfen: Was Sie beim Sport beachten sollten

ArtikelLesezeit: 3:00 min.
Mann putzt sich beim Joggen im Park die Nase

Bildnachweis: © stock.adobe.com / ABCreative

Juckende Augen, eine laufende Nase, ständiges Niesen – Heuschnupfen kann den Alltag erheblich einschränken. Doch bedeutet das, auf Sport im Freien verzichten zu müssen? Nicht unbedingt! Hier finden Sie die wichtigsten Tipps und Strategien. 

Expertenbild

Die Expertin zum Thema

Anna Bamidis

Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten, ServiceCenter AOK-Clarimedis
Foto: Fotografie Schulzki

Wann hat Heuschnupfen Hochsaison?

Pollen, die für Heuschnupfen verantwortlich sind, sind fast das ganze Jahr über unterwegs. Während Frühblüher wie Hasel und Erle oft schon im Januar oder Februar für Beschwerden sorgen und, erreichen Birke und Esche ihren Höhepunkt im April. Gräserpollen dominieren die Sommermonate, bevor im Spätsommer und Herbst Kräuter wie Beifuß und Ambrosia blühen. Besonders belastend sind trockene, windige Tage, an denen die Pollen weit verbreitet werden. An Regentagen ist die Belastung meist weniger groß, da die Pollen „aus der Luft gewaschen“ werden. Allerdings sind Zeitpunkte unmittelbar nach starken Regengüssen und insbesondere kurz nach Gewittern ungünstig, da diese für eine höhere Pollenkonzentration sorgen und Symptome verstärken können. In solchen Fällen wird zu zeitlichem Abstand geraten.

Und auch die Tageszeit kann entscheidend sein: Auf dem Land ist der Pollenflug morgens am höchsten und abends am geringsten. In der Stadt sind dagegen die meisten Pollen am Abend unterwegs. Unser Tipp: Studieren Sie regelmäßig den Pollenflugkalender und die aktuelle Pollenflugvorhersage, zum Beispiel über

  • den gemeinsamen Service der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst (PID) und des Deutschen Wetterdienstes (DWD)
  • die von der PID betriebenen bundesweiten Pollenflugfallen
  • oder die Wochenpollenvorhersage des PID für Deutschland,
  • je nach Standort auch www.pollenscience.eu/aktuell.

Trainiere ich mit einer Allergie besser draußen oder drinnen?

Das hängt von der Schwere Ihrer Beschwerden ab. Wenn Sie nicht unter heftigen Symptomen leiden, können Sie durchaus im Freien Sport treiben. 

  • Egal, ob Nordic Walking oder Radfahren: Trainieren Sie bevorzugt in Nadelwäldern, denn hier ist die Pollenbelastung geringer als auf Wiesen, an Ackerrändern oder in Laubwäldern.
  • Achten Sie auch darauf, nur bei geringer Ozon- und Schadstoffbelastung draußen aktiv zu sein.
  • Sie leiden trotz Medikamenten unter Atemnot oder müssen sich permanent die Nase putzen? Dann ist ein Training in geschlossenen Räumen oder Hallen eine gute Alternative.
  • Verlegen Sie Ihre Sporteinheit ins Fitnessstudio, in eine Sporthalle oder ins Schwimmbecken. Allerdings sollten Sie bei gechlortem Wasser aufpassen, da es die Schleimhäute reizen kann. 

Wie intensiv darf ich trainieren?

Solange Sie keine starken Beschwerden wie Atemnot haben, können Sie wie üblich trainieren. Planen Sie vor dem Training jedoch ein etwas längeres Aufwärmprogramm als üblich ein, als Richtwert mindestens 15 Minuten. Sie sollten langsam beginnen und sich behutsam steigern: So bereiten Sie Ihre Bronchien auf die Belastung vor und vermeiden eine Verengung der Atemwege. Gehen Sie darüber hinaus nicht an Ihre Belastungsgrenze und horchen Sie immer wieder in Ihren Körper hinein. Für manche Betroffenen eignen sich vor allem auch Sportarten mitzwischenzeitlichen Ruhephasen, wie es bei manchen Ballsportarten der Fall ist. Bei geringer Pollenbelastung können gegebenenfalls auch Sportarten auf offenem Wasser von Vorteil sein.

Ganz wichtig vor allem beim Outdoor-Training: Ziehen Sie sich direkt nach dem Sport um und duschen Sie – um Pollen von Haut und Kleidung zu entfernen.

Zwei Menschen beim Nordic Walking auf einem Schotterweg, Ausschnitt Füße mit Wanderschuhen.

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Wie sinnvoll sind Medikamente gegen Allergie vor dem Training?

Wenn Sie trotz Ihrer Allergie Sport treiben wollen, ist es wichtig, dass Sie die vom Arzt verordneten Medikamente regelmäßig und vorbeugend einnehmen. 

  • Den richtigen Zeitpunkt beachten: Manche Mittel wirken nur zwölf Stunden – bei abendlichem Training kann eine erneute Einnahme nötig sein.
  • Asthmaspray und Notfallmedikamentestets griffbereit halten: Falls Atemnot auftritt, sollten Sie vorbereitet sein. Besonders Asthmatiker sollten neben der genauen Beobachtung des Pollenkalenders immer gut darauf achten, ihre Medikamente bei sich zu haben.
  • Keinesfalls eigenmächtig die Dosis erhöhen: Sprechen Sie bei Unsicherheiten mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin.

Schon gewusst? Für Leistungssportler mit Heuschnupfen gilt es die Dopingrichtlinien der World Anti-Doping Agency zu beachten. Für Athleten mit Asthma besteht die Möglichkeit, bei der Nationalen Anti-Doping-Agentur in Deutschland für bestimmte Medikamente eine Ausnahmeregelung zu beantragen.

Wann sollte ich das Training abbrechen?

Sobald Sie das Gefühl haben, dass es Ihnen schlechter geht, sollten Sie nicht weitertrainieren und Rücksprache mit Ihrer Arztpraxis halten. Bei diesen Symptomen sollten Sie direkt das Training stoppen:

  • Druck im Kopf oder Schwindel
  • Anhaltender Husten oder Niesattacken
  • Atemnot – sie kann im schlimmsten Fall zu Bewusstlosigkeit führen

Was ist eigentlich eine Hyposensibilisierung/allergen-spezifische Immuntherapie (AIT)?

Bei Atemwegserkrankungen wie Heuschnupfen oder Asthma können Sie sich einer langwierigen, aber effektiven Therapie unterziehen: der allergen-spezifischen Immuntherapie (AIT), der sogenannten Hyposensibilisierung. Dabei wird der Körper mit einer steigenden Dosis der entsprechenden Allergene konfrontiert. Damit soll erreicht werden, dass das Immunsystem das Allergen toleriert und der Körper keine allergische Reaktion mehr darauf zeigt. Fragen Sie am besten in Ihrer Hausarztpraxis und/oder Facharztpraxis/beim Allergologen nach diesen Möglichkeiten. Hierbei gibt es zwei verschiedene Verfahren: die subkutane Immuntherapie (SCIT), bei der Spritzen unter die Haut am Oberarm verabreicht werden, und die sublinguale Immuntherapie, bei der Tropfen oder Schmelztabletten unter die Zunge gelegt werden.

Nach der Injektion im Rahmen einer subkutanen Immuntherapie (SCIT) sollten Sie starke körperliche Anstrengung/Sport kurz vor und am gleichen Tag nach der Injektion vermeiden.

Fazit: Sport trotz Heuschnupfen ist möglich

Mit der richtigen Planung und Rücksicht auf den eigenen Körper können Sie auch während der Allergiesaison Sport treiben. Achten Sie auf Ihre individuellen Grenzen, informieren Sie sich über den aktuellen Pollenflug und passen Sie Ihr Training entsprechend an. So bleiben Sie auch mit Heuschnupfen aktiv und gesund.

Letzte Änderung: 03.04.2025