Brustkrebsvorsorge: Welche Untersuchungen dir ab wann zustehen

ArtikelLesezeit: 4:00 min.
Frau mit nacktem Oberkörper bedeckt ihre Brust und hat eine Brustkrebs-Schleife in der Hand

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Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland – mit rund 70.000 Neuerkrankungen pro Jahr. Ab 30 hast du Anspruch auf die jährliche Früherkennung, ab 50 auf das Mammografie-Screening. Hier erfährst du, was wann gilt und wie du dich selbst untersuchst.
 

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Die Expertin zum Thema

Katrin Lorenz

Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe
AOK-Patientenbegleitung

Was steht dir bei der Brustkrebsvorsorge zu – nach Alter?

Als gesetzlich Versicherte stehen dir zwei Untersuchungen kostenlos zu: die jährliche Tastuntersuchung ab 30 Jahren und das Mammografie-Screening ab 50. Wird Brustkrebs frühzeitig entdeckt, sind die Heilungschancen deutlich besser – das macht regelmäßige Vorsorge so wichtig.

AlterUntersuchungHäufigkeitKostenträger
Ab 30Tastuntersuchung (Frauenarztpraxis)JährlichGesetzliche Krankenkasse
50–75Mammografie-ScreeningAlle 2 JahreGesetzliche Krankenkasse
Bei BedarfBrustultraschallNach eigenem Ermessen oder bei medizinischer NotwendigkeitIGeL bzw. Selbstzahlerleistung; bei Verdacht auf Brustkrebs gesetzliche Krankenkasse
Bei seltenem, festgestelltem familiären RisikoGentest (BRCA1/BRCA2)EinmaligKrankenkasse im Rahmen des HBOC-Risikoprogramms nach Beratung

Frauen mit familiär erhöhtem Risiko – etwa durch Veränderungen in den Genen BRCA1 oder BRCA2 – können unter Umständen ein intensiviertes Früherkennungsprogramm ihrer Krankenkasse in Anspruch nehmen. Wann ein Gentest sinnvoll ist, erfährst du weiter unten.

Was passiert bei der Tastuntersuchung?

„Hier tastet die Frauenärztin oder der Frauenarzt die Brüste, Achselhöhlen und den Schlüsselbeinbereich systematisch nach Knoten oder Verhärtungen ab und prüft, ob Sekret aus den Brustwarzen austritt“, erklärt Dr. Anke Leesemann. Die Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe empfiehlt: „Zusätzlich zur ärztlichen Untersuchung kann und sollte jede Frau selbst regelmäßig ihre Brüste abtasten.“ In unserer Anleitung zeigen wir Dir, wie es geht. 

Wie funktioniert das Mammografie-Screening?

Seit Juli 2024 werden gesetzlich versicherte Frauen zwischen 50 und 75 Jahren alle zwei Jahre automatisch per Brief zum Mammografie-Screening eingeladen. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat die Altersgrenze damit von 69 auf 75 Jahre angehoben. Dein Termin wird dir in der Regel automatisch geschickt, du kannst ihn aber auch selbst vereinbaren oder verschieben. Die Teilnahme an der Untersuchung ist freiwillig und kostenlos.

Was passiert bei der Untersuchung?

Die Brust wird in zwei verschiedenen Ebenen geröntgt; dafür wird sie jeweils vorsichtig zusammengedrückt. Das kann sich unangenehm anfühlen, ist aber notwendig: Nur so entsteht eine aussagekräftige Aufnahme bei möglichst geringer Strahlendosis. Eingesetzt wird ausschließlich die schonendere digitale Mammografie. Das Ergebnis erhältst du ein paar Tage später per Post; bei einem auffälligen Befund wirst du zu einer Abklärungsuntersuchung eingeladen.

Welche Qualitätsstandards gelten?

Das Programm unterliegt strengen europäischen Qualitätsanforderungen: Jede Aufnahme wird von zwei unabhängig voneinander arbeitenden Ärztinnen oder Ärzten beurteilt. Jede Person im Programm muss routinemäßig mindestens 5.000 Mammografien pro Jahr auswerten, und nur zertifizierte Einrichtungen dürfen das Screening durchführen. Ergibt sich ein Verdacht, findet die Abklärung innerhalb des Programms statt – alle beteiligten Fachleute werten die Ergebnisse gemeinsam aus.

Was bringt das Screening – und wo sind seine Grenzen?

Das Mammografie-Screening senkt nachweislich die Sterblichkeit durch Brustkrebs. Gleichzeitig gibt es eine differenzierte Debatte in der Fachwelt: Falsch-positive Befunde können zu unnötiger Sorge und weiteren Untersuchungen führen. Hinzu kommen Überdiagnosen – also die Entdeckung von Tumoren, die ohne Screening nie Beschwerden verursacht hätten. Die S3-Leitlinie Mammakarzinom und der Krebsinformationsdienst empfehlen, Nutzen und Grenzen beim Entscheid zur Teilnahme für dich selbst zu berücksichtigen. Unabhängige Informationen dazu findest du auf krebsinformationsdienst.de.

Ein auffälliger Befund bedeutet nicht, dass Brustkrebs vorliegt. Die meisten Auffälligkeiten erweisen sich nach der Abklärung als gutartig. Du wirst zu einer weiterführenden Untersuchung eingeladen; das weitere Vorgehen bespricht ein Fachteam gemeinsam mit dir.

Krankenschwester macht ein Mammographie-Screening bei einer jungen Frau.

Mammographie-Screening

Die Brustkrebsfrüherkennung ab 50.

Wann sind Ultraschall oder Gentest sinnvoll?

Für die meisten Frauen decken Tastuntersuchung und Mammografie-Screening die Brustkrebsvorsorge vollständig ab. In zwei spezifischen Situationen können weitere Untersuchungen sinnvoll sein.

Wann zahlt die Kasse den Brustultraschall?

Als reine Früherkennungsuntersuchung ist der Brustultraschall eine individuelle Gesundheitsleistung (IGeL), die du selbst bezahlst – die aktuelle Bewertung des IGeL-Monitors (igel-monitor.de) lohnt sich vor dem Gespräch mit deiner Frauenarztpraxis zu lesen. Besteht ein konkreter medizinischer Verdacht, übernimmt die Kasse die Kosten. Ergänzend sinnvoll kann der Ultraschall bei sehr dichtem Brustgewebe sein (ACR-Kategorie C oder D), weil es die Aussagekraft der Mammografie einschränkt. Strahlenbelastung entsteht beim Ultraschall keine.

Für wen ist ein Gentest sinnvoll?

Nur fünf bis zehn Prozent aller Brustkrebserkrankungen sind erblich bedingt. Ein Test auf Veränderungen in den Genen BRCA1 und BRCA2 kann sinnvoll sein, wenn Brustkrebs oder Eierstockkrebs in deiner Familie gehäuft aufgetreten ist, etwa bei mehreren Verwandten ersten Grades oder bei Erkrankungen in jungem Alter. Den ersten Schritt macht eine humangenetische Beratung, die klärt, ob ein Test medizinisch begründet ist. Bei nachgewiesener Hochrisiko-Konstellation haben gesetzlich Versicherte in der Regel Anspruch auf ein intensiviertes Früherkennungsprogramm. Erkundige dich am besten bei deiner Krankenkasse. 

Wie tastest du deine Brust richtig ab?

Jede Frau sollte zusätzlich zur Brustkrebsvorsorge in der Gynäkologiepraxis regelmäßig selbst ihre Brüste abtasten. „Die Selbstuntersuchung ist kein Ersatz für die ärztliche Früherkennungsuntersuchung“, erklärt Dr. Anke Leesemann. „Aber wer den eigenen Körper kennt, bemerkt Veränderungen zwischen den Vorsorgeterminen schneller und kann gezielt reagieren.“

Am besten tastest du zwischen dem fünften und siebten Tag nach Beginn der Regelblutung; nach der Menopause wähle einen festen Tag im Monat. Beim Duschen oder Eincremen lassen sich Veränderungen besonders gut ertasten, ergänzend solltest du aber auch im Liegen tasten. Gehe dabei systematisch vor: in Bahnen von außen nach innen oder spiralförmig um die Brustwarze, mit unterschiedlichen Druckstärken für verschiedene Gewebetiefen. Brustveränderungen finden sich statistisch am häufigsten im oberen äußeren Quadranten nahe der Achselhöhle.

So gehst du vor:

Fallen dir Veränderungen auf, ist das kein Grund zur Panik. Knoten sind häufig gutartig, zum Beispiel Fibroadenome oder hormonell bedingtes knotiges Gewebe, das besonders bei jüngeren Frauen vorkommt. Dennoch solltest du zeitnah eine Frauenarztpraxis aufsuchen, um es abklären zu lassen.

Wann zur Frauenarztpraxis?

  • Neu aufgetretener Knoten oder Verhärtung
  • Hautveränderungen: Einziehung, Rötung oder Orangenhaut
  • Eingezogene oder veränderte Brustwarze
  • Sekret aus der Brustwarze
  • Deutliche Größen- oder Formveränderung einer Brust
  • Anhaltende Schmerzen ohne erkennbaren Grund

Fazit: Vorsorge nutzen – von Anfang an

Brustkrebsvorsorge ist kein einmaliger Termin, sondern ein System aus aufeinander abgestimmten Bausteinen. Die jährliche Tastuntersuchung ist für jede Frau ab 30 zugänglich; die Einladung zum Mammografie-Screening ab 50 solltest du wahrnehmen. Wer durch eine regelmäßige Selbstuntersuchung zusätzlich ein Gefühl für den eigenen Körper entwickelt, ergänzt diese Angebote sinnvoll.

FAQ

Ab welchem Alter bekomme ich eine Einladung zum Mammografie-Screening?

Gesetzlich versicherte Frauen werden ab 50 Jahren automatisch per Brief eingeladen. Seit Juli 2024 gilt das bis zum vollendeten 75. Lebensjahr – der G-BA hat die obere Altersgrenze entsprechend angehoben. Die Teilnahme alle zwei Jahre ist freiwillig und kostenlos.

Was bedeutet ein auffälliger Befund beim Screening?

Ein auffälliger Befund bedeutet nicht, dass Brustkrebs vorliegt. Die meisten Auffälligkeiten erweisen sich nach der Abklärung als gutartig. Du wirst zu einer weiterführenden Untersuchung eingeladen; das weitere Vorgehen bespricht ein Fachteam gemeinsam mit dir.

Wie oft sollte ich zur Tastuntersuchung in die Frauenarztpraxis?

Ab 30 Jahren einmal jährlich. Die Tastuntersuchung ist eine gesetzliche Kassenleistung und gehört zur regulären gynäkologischen Vorsorge.

Zahlt die AOK Rheinland/Hamburg den Brustultraschall?

Als reine Früherkennungsuntersuchung ist der Brustultraschall eine IGeL-Leistung, die gesetzlich Versicherte selbst bezahlen. Besteht ein konkreter medizinischer Verdacht, übernimmt die AOK die Kosten für ihre Versicherten. Sprich das bei deinem nächsten Termin an.

Was soll ich tun, wenn ich beim Abtasten etwas spüre?

Suche zeitnah deine Frauenarztpraxis auf. Knoten in der Brust sind häufig gutartig – abklären lassen solltest du sie trotzdem. Die Ärztin oder der Arzt entscheidet, ob weitere Untersuchungen nötig sind.

Dieser Artikel ist kein Ersatz für eine ärztliche Beratung. Frage deine Ärztin, deinen Arzt oder die medizinischen Expertinnen und Experten von AOK-Clarimedis unter 0800 1 265 265.

Letzte Änderung: 05.10.2026

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